Hitze? Starkregen? Der Weg zur klimaangepassten Praxis Leitfaden zur klimaresilienten Versorgung für Haus- und Fachärzt:innen, Praxismanager:innen, Medizinische Fachangestellte und Praxisnetze
2 Der Klimawandel stellt die Gesundheitsversorgung vor neue Herausforderungen. Hitze, Extremwetter, Starkregen, Pollenbelastung, Luftverschmutzung. Diese Ereignisse werden häufiger und treffen besonders ohnehin gefährdete Patient:innen wie ältere Menschen, chronisch Erkrankte, Kinder und Schwangere. Welche Vorteile bietet die Toolbox? y Klarheit: Welche klimabedingten Gesundheitsrisiken sind für Ihre Region und Ihre Patient:innen relevant? y Handlungssicherheit: Wie können Sie Ihre Praxisabläufe anpassen und Patient:innen gezielt beraten? y Teamstärkung: Wie kann Ihr ganzes Praxisteam aktiv zur Klimavorsorge beitragen? y Resilienz: Wie machen Sie Ihre Praxis klimafit und zukunftsfähig? Wie wird die Praxis fit für den Klimawandel? Worum geht es in der AdaptNet Klima-Toolbox? Die AdaptNet Klima-Toolbox unterstützt Sie dabei, Ihre Praxis optimal auf die gesundheitlichen Folgen des Klimawandels vorzubereiten – praxisnah und wissenschaftlich fundiert. Aus der Praxis für die Praxis! Die Toolbox wurde gemeinsam mit ambulant tätigen Ärzt:innen des Gesundheitsnetzes QuE eG in Nürnberg entwickelt.
3 An wen richtet sich der Leitfaden? Ambulant tätige Ärzt:innen: zur Integration der Toolbox in den Praxisalltag Praxismanager:innen und Medizinische Fachangestellte (MFA): für Umsetzung, Organisation und Patient:innenkommunikation Regionale ärztliche Netzwerke: zur regionalen Verankerung und Weitergabe von Know-how Welche Inhalte bietet der interaktive Leitfaden? y Verständliche Einführung in die gesundheitlichen Auswirkungen des Klimawandels y Anleitungen für Werkzeuge, Checklisten und Maßnahmen für den Praxisalltag y Tipps zur Integration in bestehende Abläufe
4 Wie kann ich auf die Toolbox zugreifen? Die digitale Toolbox umfasst praxisnahe Werkzeuge für die ambulante Versorgung. Alle Materialien sind online frei verfügbar, können kostenfrei heruntergeladen und direkt in den Praxisalltag integriert werden. Dabei lassen sie sich an die spezifischen Bedürfnisse der einzelnen Praxis und der jeweiligen Region anpassen. Hier gelangen Sie zur digitalen Toolbox: https://www.gesundheitsnetznuernberg.de/adaptnet-klima-toolbox/
5 Wie kann die Toolbox angewendet werden? Die Toolbox lässt sich schrittweise in den Praxisalltag integrieren. Die Reihenfolge ist flexibel – alle Schritte können je nach Bedarf und Situation kombiniert werden. Eine interaktive Deutschlandkarte zeigt die aktuellen und zukünftigen klimabedingten Gesundheitsrisiken an Ihrem Standort. Sie wählen einen Zeitraum, eine Gefahrenkategorie (z. B. Luftbelastung, Allergene, Überschwemmung, Waldbrand, Hitze, Vektoren oder Hotspots) sowie Ihre Stadt bzw. Ihren Landkreis aus. Schritt 1: Risikoanalyse für klimabedingte Gesundheitsrisiken Die kostenfreie und asynchrone Online-Basisschulung zu Klimawandel und Gesundheit wird im Selbststudium erarbeitet (Dauer: ca. 90 Minuten). Sie können diese zu einem beliebigen Zeitpunkt starten und pausieren. Vermittelt werden Grundlagen- und Praxiswissen zu klimabedingten Gesundheitsrisiken. Schritt 2: Basisschulung zu Klimawandel und Gesundheit
6 Vor Beginn der Hitzesaison (April oder Mai) sollte ein Arzneimittel-Checkup erfolgen. Dabei werden Medikamente mit potenziellen Risiken bei hohen Temperaturen (z.B. Diuretika, Antihypertensiva, photosensibilisierende Substanzen) kontrolliert und gegebenenfalls angepasst. Bitte überprüfen Sie Ihre bestehenden Verträge mit Krankenkassen, ob darin Möglichkeiten zur Abrechnung vorgesehen sind. Zur Unterstützung stehen zwei Werkzeuge zur schnellen Orientierung sowie zur Einschätzung und Anpassung der Medikation in hitzebedingten Risikosituationen zur Verfügung: Schritt 4: Medikamentenanpassung bei Hitze Die Checklisten enthalten konkrete Handlungsmöglichkeiten zur Stärkung der Krisenresilienz Ihrer Praxis. Sie eignen sich für Teambesprechungen, Qualitätszirkel oder Workshops, in denen die Checklisten vorgestellt, durchgesprochen und das Vorgehen geprobt werden können, um Abläufe und Verantwortlichkeiten zu definieren. Schritt 3: Checklisten Extremwetter, Stromausfall und Hitze
7 Schritt 5: Informationen für Patient:innen Für die Information und Kommunikation mit Patient:innen stehen verschiedene Werkzeuge bereit, die besonders in den warmen Monaten (April bis Oktober) eingesetzt werden sollten. Sie unterstützen die individuelle Beratung und vermitteln verständlich Handlungsempfehlungen zu klimabedingten Gesundheitsrisiken. Personalisierbare Infozepte „Hitze“ und „Pollen“ Die Infozepte enthalten gezielte Verhaltensempfehlungen zum Umgang mit Hitze sowie bei erhöhter Pollenbelastung. Sie sind ähnlich aufgebaut wie ein herkömmliches Rezept (Format: Heilmittelverordnung) und bieten prägnante Hinweise zu geeigneten Verhaltensmaßnahmen. Im oberen Bereich kann der Rezeptkopf mit den Patient:innendaten bedruckt werden (einfacher Kopfdruck). Es gibt Platz für individuelle Ergänzungen, beispielsweise zur Anpassung der Medikamentendosis während Hitzewellen. Die Infozepte stehen als Vorlagen zum Download zur Verfügung.
8 Poster und Flyer Diese Sammlung eignet sich ideal für den Aushang und die Auslage im Eingangsbereich ihrer Praxis, an der Anmeldung oder im Wartezimmer. Videos für das Wartezimmer Die Videos können im Wartezimmer gezeigt werden. Sie informieren und sensibilisieren zu Themen wie Hitzeschutz, Allergene und Infektionskrankheiten.
9 Schritt 6: Vertiefungsschulungen Die Vertiefungsschulungen können als Themenschwerpunkte in Qualitätszirkeln oder Workshops genutzt werden und zeigen anhand konkreter Beispiele, wie Klimaanpassung im Praxisalltag gelingt und die Klima-Toolbox gezielt eingesetzt werden kann. Welche Ziele verfolgen die Vertiefungsschulungen? y Austausch zwischen den beteiligten Zielgruppen fördern y Tools an regionale Gegebenheiten anpassen und integrieren y Raum für Diskussion schaffen und Feedback ermöglichen Die Vertiefungsschulungen stehen als Vorlagen zu folgenden Themenschwerpunkten online zur Verfügung:
10 1. Begrüßung & Einführung (10 Min.) y Vorstellung des Themas und Ziele des Qualitätszirkels oder Workshops 2. Einstieg & Orientierung (15 Min.) y Erfahrungen und Bedarfe der Teilnehmenden y Vorstellung der Toolbox und verfügbarer Materialien 3. Vertiefungsschulung (30-40 Min.) y Input und Austausch zu einem der Themenschwerpunkte (z.B. Medikamentenanpassung, Checklisten, Risikoabschätzung) y Diskussion von Praxisbeispielen 4. Austausch & Vernetzung (20 Min.) y Gemeinsame Diskussion regionaler Besonderheiten / ggf. Anpassung von Materialien y Ideen zur Umsetzung in der eigenen Praxis / im Netzwerk 5. Abschluss & Ausblick (10 Min.) y Zusammenfassung der Ergebnisse y Evaluation Wie kann ein Qualitätszirkel / Workshop aufgebaut sein?
11 Wie kann die Toolbox erfolgreich in der Praxis genutzt werden? „Die Patienten haben sich gefreut, wenn sie etwas in die Hand bekommen haben und zuhause nochmal nachlesen konnten.“ „Patienten haben die Poster gesehen und Fragen gestellt. Es war großartig, nicht jedes Gespräch selbst beginnen zu müssen.“ „Die Werkzeuge haben mich daran erinnert, warum wir Medizin machen: um Menschen zu schützen, vorauszuplanen und aufzuklären. Das ist ein schönes Gefühl.“ 1. Verantwortlichkeiten festlegen Bestimmen Sie klar, wer im Praxisteam für welche Aufgaben zuständig ist – so bleiben Abläufe effizient und Zuständigkeiten transparent. 2. Materialien frühzeitig im Praxisteam einführen Stellen Sie die Inhalte und Materialien der Toolbox frühzeitig im Team vor. Nutzen Sie laminierte Versionen der Checklisten, Hitzetabelle und des Algorithmus in den Behandlungszimmern, damit sie jederzeit griffbereit sind. 3. Patient:innen regelmäßig informieren Kommunizieren Sie aktiv über klimabezogene Maßnahmen und Anpassungen in Ihrer Praxis – so fördern Sie Verständnis und Akzeptanz bei Ihren Patient:innen. Welche Erfahrungen haben Kolleg:innen mit der Toolbox gemacht?
12 Nutzen Sie unser Feedback- und Kontaktformular, um Erfahrungen zu teilen, Fragen zu stellen und Ergänzungen vorzuschlagen: Feedback- und Kontaktformular IMPRESSUM Herausgeber Allgemeinmedizinisches Institut - Uniklinikum Erlangen In Kooperation mit Lehrstuhl Regionaler Klimawandel und Gesundheit, Universität Augsburg I Heidelberg Institut of Global Health I QuE - Gesundheitsnetz Qualität & Effizienz eG I AOK Bayern Redaktion Stefanie Stark I Merle Klanke I Susann Hueber Grafik Kathrina Schmidt Abbildungen Laura Rink I freepik Stand Februar 2026 I Links können veraltet sein Rechte Alle Rechte an Texten, Abbildungen und Illustrationen bleiben vorbehalten. Kopien und Nachdrucke (auch auszugsweise) sind – außer zur rein privaten Verwendung – nur nach ausdrucklicher schriftlicher Erlaubnis durch den Herausgeber gestattet. Förderung Innovationsfonds des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA) https://redcap.link/transferleitfaden
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